Schweigen ist Silber - Reden ist Gold?

Nicht reden? Gar nicht? Überhaupt nicht? Nein. Null. Nada. Niente. Ich habe geschwiegen und es hat mir sehr gut getan. Für Dich etwas ganz Neues? Für mich eine wichtige Erfahrung, die ich nicht meiden möchte. Gerade bin ich hochschwanger wieder aufgetaucht aus einer 10-tägigen Schweigemeditation. Wie die heißt? Vipassana: eine der ältesten Mediationstechniken Indiens! Es geht dabei ums loslassen, den Geist (also die Gedanken im Kopf) zu zähmen. Zusätzliche die Dinge mit Gleichmut zu betrachten und in sich zu spüren, dass alles im Fluss und Veränderung ist. Ein schönes Konzept, wie ich finde.

Urvertrauen ist wichtig

Wat soll dat denn? 10 Tage nicht sprechen??? Dat ist doch nicht gut fürs Kind!

Oh doch, das war super für`s Kind, denn ich habe nochmal vor der Geburt richtig tief in mich hineingeschaut und olles Gerümpel losgelassen. Die Lütte war tiefenentspannt und hat mir wieder einmal gezeigt, dass ich vertrauen darf.

Denn dieses Urvertrauen ist uns Menschenkindern häufig ein Stückchen abhanden gekommen. Ich bin schon seit einigen Jahren auf dem Weg es mehr und mehr wieder zu entdecken, aufzubauen und vor allem auch das Wissen darüber in meiner Arbeit weiter zu geben.

Durch meine Arbeit mit Menschen, früher schwerst Betroffene mit neurologischen Diagnosen und heute Familien und die ganz Lütten, habe ich erkannt, wie wenig „artgerecht“ wir teilweise leben. Häufig vertrauen wir unserem Körper nicht mehr und schaffen es nicht in diesen hinein zu lauschen. Denn dieser ist ein Wunderding! Er ist in der Lage sich zu regulieren, Traumata zu verarbeiten und Krankheiten abzuwehren, wir lassen ihn nur oft nicht, greifen ein und er bekommt keine Chance das selber zu regeln.

 

Wut und Angst runter schlucken wirkt sich auf das Leben aus

 

 

Schreibabys helfe ich gerne!

Babys schreien sich nach einer traumatischen Geburt (die meist so endet, weil wir, wie gesagt, wenig Vertrauen haben und viel zu viel eingreifen) das Trauma raus. Das ist das Einzige was sie machen können. Sie können sich noch nicht ablenken, den Stress weg joggen, Alkohol zur Entspannung trinken oder was auch immer wir Erwachsenen uns später für Kompensationsmechanismen suchen. Aber sie können erzählen! Und das ist sehr gesund, denn Babys bearbeiten so ihr Trauma.

Dafür brauchen sie allerdings Bindungspersonen als „Fels in der Brandung“, als Zuhörer die da sind und mit innerer Stärke dem Kind im engen Körperkontakt, Sicherheit vermittelnd, den Raum geben, all sein Stress loszuwerden. Dann wird es gut!

Oft genug fällt es uns Eltern nur selber schwer, diese starken Gefühle bei dem Kind auszuhalten. Meist haben auch wir nicht gelernt diese zu regulieren und dann wird unser eigenes „INNERES KIND“ hilflos, das Alarmsystem springt an und wir können unserem Kind dann nicht die Sicherheit vermitteln, die es zur Regulation bräuchte, sondern fallen selber in unsere alten Gefühle der Hilflosigkeit, Wut oder Traurigkeit zurück. Ein paar Hilfestellungen dazu habe ich in Videos auf meiner Webseite oder direkt auf meinem YouTube Kanal.

Wir als Säugetiere können uns nämlich selber helfen. Eine Antilope, die gerade knapp einem Löwen entkommen ist, legt sich an sicherer Stelle erst einmal hin, zittert sich den Schrecken raus und hüpft dann vergnügt weiter. Wir Menschen können das eigentlich auch, werden dann nur meist abgelenkt (oder lenken uns selber ab, weil wir es so gelernt haben), bekommen (z.B. nach einem Unfall) eine Beruhigungsspritze oder kompensieren anderweitig und schwuppdiwupp bleibt das Trauma im Körper.

 

Hinschauen ist ein guter Weg

Durch das bewusst machen und hinschauen, kann man aber vieles, auch bei uns großen Menschen, nachholen!

Wenn man bedenkt wie wir Erwachsenen geboren worden sind, z.B. oft mit einer Trennung nach der Geburt und/oder diversen Eingriffen und dem Motto „Schreien stärkt die Lungen“ „Zuviel Körperkontakt verwöhnt das Kind“ (was aus einem Erziehungsratgeber aus der Nazizeit entnommen ist, der ein Bestseller war und bis in die 80-er Jahre aufgelegt wurde), so geht es dort schon los mit dem ersten nicht verarbeiteten Trauma, was in unserem Körper schlummert.

Zudem schleppen wir oft genug noch die ollen Geschichten der Kriegsgenerationen mit uns rum, da diese meist nicht verarbeitet worden sind und epigenetisch weitergegeben werden. Dazu wird demnächst in meinem PODCAST „Menschenskinners“ die ersten Podcastfolgen erscheinen (u.a. zu den Themen: „Was hat das Trauma von Oppa mit mir zu tun?“, „Wie beeinflusst uns auch später noch unsere eigene Schwangerschaft/Geburt/erste Lebenszeit“).

Ich selber bin vier Wochen zu früh geboren und lag sechs Wochen wegen einer Lungenentzündung alleine im Krankenhaus. Besuch von den Eltern gab es nur zu den vorgeschriebenen Fütterzeiten. Ich habe wohl nicht geschrien, sondern sicher schnell gemerkt, dass eh keiner kommt.

 

Kinder die schweigen schlucken etwas hinunter

Kindheiten sind unterschiedlich

Ich war als Kind ruhig, eher ängstlich, brav und angepasst. Wenn ich mich nicht verstanden gefühlt habe, habe ich schnell gelernt, dass die Wut darüber nicht gerne gesehen ist, habe diese weg gedrückt und es mit mir selber ausgemacht.

Das soll nicht heißen, dass meine Eltern etwas falsch gemacht haben. Keineswegs! Sie haben (und das tun meist alle Eltern) immer ihr Bestes gegeben. Als Nachkriegsgeneration sind sie erziehungstechnisch noch ganz anders groß geworden.

Ein innerer Antrieb hat mich nach dem Abi in die Welt hinaus gespült: als Au Pair nach Südafrika. Endlich selber die Verantwortung übernehmen, die Gastfamilie wechseln, Fallschirm springen (und sich den Rücken dabei anbrechen), ein Schlüsselbeinbruch, mit deutschen Marineoffizieren in Kapstadt durch die Nacht ziehen und ohne Internet super Touren durch das Land (sowie Namibia, Botswana, Zambia und Zimbabwe) organisieren. Das war der erste Schritt raus aus alten Mustern, aus der Komfortzone. So ging es immer weiter mit dem Umzug nach Köln, wo ich keinen kannte, aber in einer sympathischen Großstadt war, weit genug weg, um mein Selbstwertgefühl weiter auszubauen, mehrere Reisen alleine, oft nur mit dem buchen des Flugtickets und schauen was kommt, der Aufbau meiner Selbständigkeit. Das war mein Weg zu merken, dass das Leben immer weiter geht, ständig in Veränderung ist, ich vertrauen darf, dass es gut wird, immer wieder Türen aufgehen und es sich nicht lohnt an einer aufkommenden Angst festzuhalten, da diese einen dann nur blockiert.

 

Wachstum für Alle

Bis heute übe ich mich darin und bin daran gewachsen. Die Arbeit, viele Fortbildungen und das Erkennen wie unser Gehirn eigentlich tickt und Körper, Geist und Seele reagieren, machen mich zu einem (meist 😉 ) glücklichen zufriedenen Menschen.

Auch die Geburt unseres ersten Kindes, was schon ganz früh in der Schwangerschaft gestorben ist und zu Hause geboren wurde (ich erzähle ausführlich darüber in diesem Video) hat mir gezeigt, dass mein Körper perfekt ist, ich vertrauen darf und der Tod zum Leben dazu gehört. Alles ist Veränderung! Es ist ein stetiger Fluss in dem wir leben, es hilft nicht festzuhalten, sondern das Loslassen ist der Schlüssel. Das habe ich beim Vipassana nochmal intensiv gespürt und mitgenommen.

Eine super Vorbereitung für die baldige (Haus-) Geburt, auf die ich mich jetzt schon wie Bolle freue, denn das wird wieder ein ganz besonderer kraftvoller und transformierender Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.

Euch alles Gute,

Kerstin

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Schweigemediation, Vipassana, ist auch eine Art der Heilung

Über Kerstin Magens:
Kerstin arbeitet als selbständige Therapeutin in Köln und berät auch online. Um weiter glücklich und erfüllt in ihrer Arbeit zu bleiben, hat sie sich 2013 selbständig gemacht, was sie niemals sein wollte, da sie eher sicherheitsorientiert aufgewachsen ist.

Es war eine schmerzhafte, aber auch eine der besten Entscheidungen in ihrem Leben.
Ihr Lebensmotto ist, dass alles seinen Sinn hat und gerade negative Erlebnisse helfen sich (zum Positiven) weiter zu entwickeln. So weitet sich ihre Komfortzone stetig aus und sie geht mehr und mehr mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen in die Öffentlichkeit.

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